Alle Gedichte enden hier

agehDer Lyrikband “alle gedichte enden hier – trilogie des freundlichen todes” erschien 2009 über Shaker Media. Im Buch nehme ich den Faden meines Vorgängerwerks “In den Teufeln meiner Augenblicke – Protokolle eines Zwangskranken” wieder auf. Die 50 Texte stehen im unmittelbaren Zusammenhang mit den Erlebnissen, vor und während der im ersten Werk beschriebenen Störung. Da ich mich im Genre der Lyrik am wohlsten fühle, hatte mich die Idee eines reinen Gedichtbandes schon immer gereizt. Hier kann ich mich abseits jeglicher Konventionen am direktesten ausdrücken. In meiner Empfindung kommt zudem ein bewegendes Gedicht einem Kuss am nächsten.

Buchdaten: “alle gedichte enden hier – trilogie des freuenlichen todes”, Shaker Media, 2009, ISBN 978-3-86858-282-6, 50 Gedichte, 62 Seiten, 9,90 Euro

Auszüge:

küsten

Deine Küsten – blinde Bilder schwimmen still
sie tragen bar die Knochen
die ein Kontinent nicht halten will

Schreiend Fleisch, rote Schritte
Glas im Traum –
ich sammel Tritte
ins Gesicht
und denk es wären Küsse
doch die Lippen spür ich kaum

Das Wort im Anfang sinkt
Kissenfeder bricht
der Traum ertrinkt
Rechter Start, doch leider alles
alles falsche Schlüsse

Hiss die Segel meiner Sucht
Es stürmt die Welt
Mein Engel lahmt
mein Engel hinkt
mein Engel fällt

Zurück gerissen
an wütende Gestade
Tiefer immer tiefer Land
getrieben durch betrunkne Flüsse –
Treibjagdzeit
Bluthundhatz dem Bündel weißem Fell
in schwarzen Betten

Saison der Made
Menschlein kommt nicht weit
Augenschein ist nicht zu retten
Ich kann den Schlaf nicht länger halten –
erwacht erst der Kopf
gehorcht das Herz an Feindes Stätten
mit tobenden Gestalten

Kalte Hände
nahe Fremde –
deine Wasser tränken nicht
Deine Schwingen schlagen stumpf und fade
Lass doch los
was dir nicht leuchten kann und bald erlischt

Lass doch los
was sich nicht halten lässt
und bald
zer
bricht

einmal

Ruheloses Bild in mir
folge diesem wunden Tier
über verstimmte Harfen, Violinen
das morsche Klavier –
abwärts in den Tönen
Schwimm mit mir –
wir trinken an den Echos
die blinzelnd durch betrunkne Träume strömen

Ich werde dich zum Lachen bringen
mich in bunten Lumpen durch Kaleidoskope
schwingen und dir herzlose Liebeslieder singen –
wach mit mir

Ich führ ein seltsam` Leben –
tiefer fühlt ein Alphabet
mit dem ich durch die Nächte stier
und unsichtbare Tinte füllt die Seiten
die sich leise senken, leise heben

Ein seltsam` Leben –
einmal in der Woch` genieß ich es
und piss im Stehen
Einmal eine Zigarette
einmal einen Rausch
den ich eine Stunde schmecke

Und Sonntags in der Früh
will ich mich beenden
´aufgewacht, im Licht ertappt
schäm ich mich benommen
und büß an blassen Wänden

Alles
bleibt fremd
alles alt und unverständlich –
Freunde werden kalt
junges Glück bald Last
und bald vergänglich

Ich verstand und ich versteh es nicht –
einmal werden, lieben, hoffen, bleiben
bis der Abschied aus den müden Augen stürzt
flieht, bricht
und entweicht auf freien Schwingen

Folge mir –
einmal werd
ich dich
zum Lachen bringen

oktoberwehen

Frostroben schmiegen sich um verglühte Wangen
benetzen starre Haut
An der Wand
seh ich
kleine Jungen hektisch kratzen, bangen

Sie graben Löcher
tief
in die sich niemand lebend traut
Papierlaternen streifen Feuerzeuge, dunkle Freude –
Schatten, Lichter, Schreie überall
Warten, bitten, um den Schlaf zu warnen
Ich phantasier
von ihr
mit weißem Atem
und muss mich zitternd selbst umarmen

Vergangne Bilder huschen, tänzeln
flüstern, kichern immer noch im roten Fall –
Traum entstellt
Schmerzspiralen strecken sich in Pilger-Weiten
Herz aus Herbst will Wachholderblau
seine Wölfe blühend tarnen

Kohlenlippen, polare Zungen –
sie wollen mich
in dieser tiefen Nacht
ohne dich
´schmecke süß, süß, süß
was heiser gierig Leben bellt
und fliehe in verwehte Zeiten

Durch den Seelenhain
erblick schaudernd ich im Mondesschein
ewig sie
im Brautgewand, mit König Tod
auf schwarzen Rappen von mir reiten …

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