Bilder vom Lichtersinken & Kerzentrinken

lichtersinken_neu“Bilder vom Lichtersinken & Kerzentrinken” erschien 2014 bei ePubli. Mitten in der Arbeit an einer neuen Erzählung, die unter dem Titel “Als ich ein Sonntagmorgen war” die 2008 begonnene Geschichte über einen Zwangskranken zu einem Ende führen sollte, überkam mich wieder einmal die Sehnsucht nach Lyrik. Innerhalb kurzer Zeit füllten 40 neue Gedichte das Papier.  Mit zahlreichen Fotos versehen stellte ich “Lichtersinken” bereits 2013 fertig und veröffentlichte das Material in Eigenregie als E-Book. In der späteren Printversion des Verlags musste aus Kostengründen die Hälfte der Fotos weichen. Zudem konnten die Motive aus wirtschaftlichen Gründen lediglich in schwarz/weiß publiziert werden. Unabhängig davon liebe ich das Werk vom ersten bis zum letzten Zeichen.

Buchdaten: “Bilder vom Lichtersinken & Kerzentrinken”, 2014, ePubli, ISBN 978-3-8442-9299-2, 74 S., 40 Gedichte, 20 Bildnisse, 7,90 Euro

Auszüge:

mensch/and i grief

Mensch im Krankenhemd
Mensch im tiefen Bett
Roter Atem hängt am Faden
Bibelvers geht fremd
seufzt im Chor mit unsichtbaren Maden
Rest von Puls, der Leichen fleddert
mit sich schleppt, saugt am wunden Saft

Es zittert sich ein Mann durchs Stachelhonigglas
singt laut und lauter, Wespen flirren auf der Lunge
er benetzt das Fleisch mit schwarzer Zunge
die sich durch die gift`gen Tage leckt
und schales Wasser tropft vom gelbgefleckten, ausgelaugten Schaft

Am Ende log der kranke Wille
die gottgegebne Kraft
Zu viele hochgeschnellte Klippen
zu viele Steine formten diese morschen Beine
zu wenig Monde fluten diese welken Lippen
„Ich schmeck, ich fühl, ich hör doch die Stille!“

Komm noch einmal in den Garten
bring mir frische Erde und den Regen
der dies wüste Land und meine blütenlosen Reigen stillt
Bring Ahornblätter, wilde Rosen, ein paar Früchte
anstatt der blassen Engel auf verirrten Wegen
und lass den Glockenschlag zu Hause warten
der dummes Zeug durch hohle Gassen brüllt

So laut, Herr Tod
leis, Bruder Leben
so kurz die Zeit
die immer schneller um uns kreist
nüchterne Sehnsüchte –
eine Seite lang nur währte
deine, meine, eure
unsere Geschichte

and i grief

keine sprache
spricht die trauer
aber
wir sind frei
schlafe
glücklich
erwache
wieder
lache
weine
fürchte
brenne
lache
lache
sei

schlaf, schnee, schnitt, schrei

Schlaf, Schnee, Schnitt, Schrei
ein Klang ganz fern und doch so treu
Und noch vor dem Auf
Schlag
nach kurzem Sturz durch dissonante Welten
ist der Traum vorbei

Schlaf
das ist die pralle Beere
die an deiner Seele tropft
der Nebel
der sich unter alten Sternen reckt
dein letzter Freund
der bald zärtlich zwischen Welt und Traum
an deine Fenster klopft
dein lang erwarteter Wanderfreund
der Wald und Ozean zur rechten Stunde weckt

Schnee
ist Blut, das träumt
es wär wie Federn in den Ästen einer Fichte
die den Wind erwartet
zum erneuten Flug zu dürstenden Gärten
Eden
und der Ankunft in bescheidenen Resten

Schnitt
kein Laut sticht aus Klinge, Mond und weingetränkter Invalidenhaut
Regen plappert wie ein alter Mann von vergangner Glorie
pensionierte Hoffnung trinkt sich Tag um Tag um das bisschen Staub

Schrei
Sschhh!
Das Ende hätt so gerne einmal Ruhe
Das Leben wird ihm einerlei

Wache, wache, schlafe, schneie, schneide
Reise weiter mit der Sonne und dem leisen Winter
Und komm nicht an, bleib nicht zu lang, lass alle Türen auf
Es geht nicht anders, Abschied wird ihm einerlei
Du glaubst, entsagst, ersehnst, du steigst und fällst
Du schließt die Tore langsam hinter dir
Vom Anbeginn
bis zum Ende
Sag es
bitte
„Ich bin frei!“

zum lichte, zur nacht

Zum Lichte, zur Nacht
Und in einem Augenblick der Stille
Den Refrain der Welt wispernd
Um den Verstand gebracht

Ich denke nicht
Und träume zahm
Doch diese Lippen
Diese Laken voll Begierde
Singen Liebe
Diese Laken gestreckt mit Zittern
Voll der Lust
Schreien Liebe
Diese Laken getaucht in Leere
Dehnen sich durch Regenjahre
Benetzen meine letzte Scham

Zum Lichte und zur Nacht
Er schläft wohl lang
Er schlägt zu sanft
Auf Leichen, die sich winden, drehen, tanzen
Die im Zauber der Reflexe wieder bläulich schimmern
Wie ein Krieger vor dem Kampf
Der seine Klingen prüft und vor dem Tod noch heimlich lacht

Weiter, weiter, immer dunkler
Zum Lichte und zur Nacht

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