Das Mädchen am Ende des Stegs …

„Das Mädchen am Ende des Stegs, das Tränen in den Taschen trug und lächelte“, Lyrik und Kurzgeschichten, epubli-Verlag, ISBN 978-3-746781099, November 2018, 150 Seiten, 15,90 Euro

Auszüge

zwischen einem bourbon und deinem kuss

Billig einverleibte Zeilen
Die nicht glücklich machen
Heute nicht
Stolpere über eigene Sketche
Skizzen der Fassungslosigkeit
Also zertrümmere ich
Den Kandis
Die Eiswürfel
Das Lebensglas
In annehmbare Formen
Die munden
Und zwischen einem Bourbon
Und deinem Kuss
Mit Holundergeschmack
Neue Fragezeichen in den Herbst hauchend
Mich auftauen
Aus den Kerkern des Sommers
Mich aufbauen
Zu unverzeihlichen Festungen des Frosts
Mir auflauern
Vor den Abgründen meiner Lust, Angst, Lust
Mir nicht trauen
Weil ich anders träume
Nachts alle Türen offen lasse
Wandbilder lieber schief anschlage
Starre, anstatt zu schauen
Und nie
Und nie
Und nie
„Ich liebe dich“
Sage
Keine Frage
Dieser Abend meint es gut mit uns
Dieser Morgen
Dieser wüste, kalte Morgen
Endlich
Schlussmituns

verschwend ein bisschen zeit mit mir

Lass uns über Sex reden. Es ist das Einzige, was noch
Sinn macht. Oder über Fledermäuse. Sie sehen das
Elend nicht, gegen das sie anfliegen. Ach, es wird schon
schwieriger an dieser Stelle. Warum nicht aufhören, hier?
Warum nicht den Stift zur Seite legen oder aus den
Fingern fallen lassen, wie Bankräuber in einem
schäbigen Wüstenkaff, die von den Sheriffs gestellt, ihre
Waffen strecken? Diese Beute ist nichts wert.
Die Zeilen flattern, anders als die kleinen Flugbestien,
ziellos durch die Nacht. Es sind ja nur Streifschüsse, die
nicht viel Blut vergeuden. Sie treffen kaum. Das war doch
ihre Bestimmung, um den Aktionsradius des Schwanzes
auf das Hirn zu richten, das für alle billigen Impulse wie
eine desillusionierte Hure die Schenkel längst für jeden
Untermieter öffnet.
Also, lass uns lieber gleich über Sex reden. Es ist alles,
was ich kenne. Mach dir nicht die Mühe, Frieden, Glück
oder Liebe anzustrengen. Davon weiß ich nichts. Komm
doch näher und verschwend ein bisschen Zeit mit mir.

eintritt frei

Lösch das Licht
Mehr Wald für die Nacht
Tage des Atems
Tief in die Böden
Weit über den Verstand
Hinaus mit den Wundern
Die auf falsche Fährten lockten
Bleib doch hier
Wo nichts geschieht
Weil der Zirkus weiterzog
Und die Stille zurückblieb
Eintritt frei
Wenn du dir das leisten kannst
Die Clowns zu verpassen
Die noch lange Wege weinen
Küss die Kühle
Leg alle Masken nieder
Nie warst du schöner
Mensch
Erbarme dich