Die Halbunruhigen

Neu: „Die Halbunruhigen“, 40 Short-Stories und Gedichte, epubli-Verlag, April 2017, 88 Seiten inkl. Fotografien und Zeichnungen, Taschenbuchformat (DIN A5), ISBN 978-3-7450-5899-4, 9,90 Euro, Großformat (DIN A4), 72 Seiten, ISBN 978-3-7450-5278-7, 11,90 Euro

cover

Titel: die deiche fallen still heut nacht//mit engeln entkommen//bricht//glaube, hoffnung, ende// der feiertag//freizeit//geheiratet werden//mein mund voller winter//natalie will nutte werden, timo terrorist//schreibt//dreizehn minuten//atem aus//fick mich nicht, trink zart von mir//kriege tropfen doch ins wort, das verzweifelt f-r-i-e-d-e buchstaben wollt`// bis// kennen sie siegen?//lichter lügen lieben lassen// mehr salz trinken//bleibt//nach//seelenkunde  anleitung zur transformation in einen geist (how to become a ghost)//spätes fieber – immer wieder neue liebeslieder//das evangelium der einsamkeit//auszeit, es geht nach haus, heut//erst speist die marter, dann fließt der wein//dreiundachtzig//glasgesänge// schatten jagen//stein schlägt wort//marc-anton warum antwortet nicht//unverstanden//welt weit weh//zarte klingen//ausgeschissen//supertod//mehr meer mär//wenn// stumm//die halbunruhigen

Auszüge:

wenn

Wenn alles fällt
Muss niemand
Mehr grade stehen
Für den Missstand
An Träumen
Den Leerstand
An Freudenhäusern
Ein Haus der Freude
In dem wir
Einst lebten
Es ist
Gut
Es
Ist
Doch gut
Dass dieser Halt
Endlich verloren geht
Verliert
Am Ende
Nichts kapiert
Wer
Sich klammert
Feste hält
An gefäll`gen
Texten und
Schauspielrollen
Jenseits
Der Abwege
Fällt
Um den
Ist`s gar schlecht
Bestellt
Das wird man schon sehen

mit engeln entkommen

aber höher

„… und die Wolken – welch eine Enttäuschung, Täuschung.
Hier oben sieht man klarer. Leicht gefüllte Leere. Ein bisschen weißes Nichts mit
Friedhofsnebel angerührt. Diese Erkenntnis müssten die Dinge auf der Erde doch
auch durchschaubarer machen. Ich stehe jeden Tag vor diesen Erscheinungen und
erkenne keine Konturen.“

lieber tiefer

Der Flieger der niederländischen MLK von Amsterdam nach Bourdeaux mit 158
Passagieren an Bord, stürzte am 17. September aus heiterem Himmel kurz nach
dem Start um 14.44 Uhr mitteleuropäischer Zeit aus 3.600 Fuß Höhe in die
beschauliche flache holländische Stille.
Alles ging sehr schnell. Den Fluggästen, der Besatzung sowie den Fluglotsen blieb
kaum Zeit, sich zu wundern. Der Aufschlag, 2,14 Meilen vom Provinzstädtchen Den
Hechtele erfolgte entgegen aller physikalischen Gesetze nahezu horizontal. Dabei
hatten sich mindestens fünf Passagiere und ein Crewmitglied am cinemaskopischen
Sound, den Metall in vehementer Reibung mit Holz, Gestein und Muttererde erzeugt,
Gedanken gemacht.
Ein schriller, langgezogener Schrei eines verzerrten Kirchenchors, unterlegt von den
kakophonischen Gitarrenstakkatos einer Industrial-Band – ja, so klang es, bevor die
Schleifpartie nach 51 Sekunden zum Stillstand kam.
Das Flugzeug ähnelte einem Kadaver. Zerfranst, zerrissen, gespalten. Der
verregnete Nachmittag glühte. Dampf stieg in den Himmel. Abgehaktes Stöhnen und
vereinzelte Rufe drangen irreal aus dem gestrandeten Objekt. Dann Ruhe. Auch der
Regen brach ab. Sogar der linde Wind hielt inne. Stunde Null.
157 verwirrte und wacklige Personen krabbelten, robbten oder humpelten zwischen
14 Uhr 46 und 14 Uhr 59 aus dem Flieger, der, in Anbetracht einer unverständlichen
Fehlerverquickung, lediglich einen Reisenden in seinem erschütterten Stahlkorpus
als Leiche zurückließ.

irgendwann leon

Da schlief, da atmete, da starb Leon in den Trümmern eines Traums – entschlossen
gewesen, erneut neu zu beginnen, in einem neuen Bett, an der Seite einer neuen
Liebe, im alten Gewand des ewig Flüchtenden. Er durfte nicht ein weiteres Mal
entkommen. Er durfte nicht ein weiteres Mal irgendwo ankommen.

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